Wie bereits in den "Liebesfluchten" versammelt Schlink sieben Erzählungen in seinen "Sommerlügen" und genauso wie bei dem 2000 erschienenden Erzählband gibt uns der Titel bereits einige Aufschlüsse um das Thema der Erzählungen. Die Erzählungen kreisen um die Lügen seiner Protagonisten, nicht nur das Belügen anderer, sondern vielmehr das sich selbst Belügen. Männer wie auch Frauen erkennen in seinen Erzählungen, dass sie sich selbst etwas vormachen beziehungsweise vorgemacht haben. Einige sind davon so hypnotisiert wie das Kaninchen vor der Schlange, andere stellen sich. Eng verknüpft damit ist auch die Frage nach dem Glück, das sich somit oftmals als etwas illusorisches herausstellt.
Warum die Geschichten Schlinks so unter die Haut gehen? Weil viele so aus dem Alltag gegriffen sind, dass sie jedem geschehen können oder geschehen sind. Die Erzählungen sprechen den Leser auf einer tiefen persönlichen Ebene an, die einen mitfühlend mit den Charakteren macht. So die Erzählungen um die Frau, die eines Tages feststellt ihre Kinder nicht mehr zu lieben. Damit bricht ihr ganzer Sinn des Lebens weg und sie erkennt, dass ihr Leben wenig mit dem zu tun, was sie sich früher einmal erträumt hatte. Ebenfalls mitreißend ist die Erzählungen um einen krebskranken Schriftststeller, der seinen letzten Sommer im Kreise seiner Familie verbringen möchte, um sich dann am Ende das Leben zu nehmen. Oder der junge einsame Mann, der im Urlaub auf die Liebe seines Lebens trifft, mit der er seine Zukunft verbringen möchte und dann Zuhause feststellen muss, dass er nicht bereit ist sein altes Leben aufzugeben.
Was den Leser betroffen zurück lassen kann, sind die offenen Enden. Happy End-Fanatiker sind hier wirklich fehl am Platze, es ist eher das Gefühl der Melancholie, das zurückbleibt, wobei keine Erzählung in purer Hoffnungslosigkeit endet. Schließlich erkennen die Protagonisten, dass sie sich selbst belügen oder andere und Erkenntis..."Sommerlügen" ist ein durchaus empfehlenswerter Band mit Erzählungen, den man nicht einfach hintereinander weglesen sollte, sondern vielmehr die Erzählungen mit ein wenig Abstand auf sich wirken lassen sollte.
