Donnerstag, den 05. August 2010 um 13:34 Uhr

Muss-Bücher für den Mann, Kann-Bücher für die Frau

Written by  Juliane
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Nachdem wir erst vor Kurzem unsere sommerlichen Buchempfehlungen für die Frau zum besten gaben, besteht natürlich Nachholbedarf für die männliche Fraktion. Keine Angst wir wollen hier keinem Mann irgendwelche Beziehungsratgeber oder Wörterbücher, um die Frau endlich zu verstehen empfehlen.


Aber genauso wie sich viele Frauen in den Heldinnen von Ildiko von Kührty, Hera Lind, Susanne Fröhlich und wie sie nicht alle heißen, wiederfinden, gibt es solche Literatur auch für Männer. Der einzige Unterschied besteht wohl darin, dass Frauen die Bücher für beide Perspektiven lesen, während kaum ein Mann zu „Moppel ich“ greifen wird und darin seine Freundin entdeckt. Und seinen wir mal ehrlich, dann gäbe es auch richtig Ärger zu Hause.

Sven Regener „Herr Lehmann“

Eigentlich ist der Sänger der deutschen Band „Element of Crime“ mit seiner gesamten Buchreihe, die es nun auch unter dem Namen „Die Lehmann Trilogie“ im Schuber gibt. Der Erstling – wohl gemerkt nicht aus chronologischer Sicht der Erzählung – war aber „Herr Lehmann“. Es ist 1989 und somit steht noch die Mauer, als Frank Lehmann, der von allen aber nur Herr Lehmann genannt wird, den Leser mitnimmt in sein Leben im Berliner Bezirk Kreuzberg.

Da die Erzählperspektive stark auf Frank Lehmann als Hauptprotagonisten zugeschnitten ist, nimmt der Leser direkten Anteil an seinen Gedanken. Gerade diese machen die Komik des Buches aus. In „Herr Lehmann“ gelingt es dem Berliner Sven Regener, das Lebensgefühl junger West-Berliner Erwachsener kurz vor der Wende einzufangen und zu transportieren. Natürlich richtet sich dies Buch nicht nur an die 1989 knapp 30-jährigen, denn auch wenn man alles nicht 100% nachfühlen kann, ist der rotzige Schreibstil und der verschrobene Frank Lehmann Sven Regeners ein Genuss für jeden. Allen Büchermuffeln sei aber die gleichnamige Verfilmung mit dem genialen Christian Ulmen ans Herz gelegt.

Oliver Uschmann „Hartmut und ich“
Oliver Uschmanns Romandebüt schlug ein wie eine Bombe und zog mit dem mittlerweile vierten Band der Hartmut-Reihe weite Kreise. „Hartmut und ich“ ist nun dieser Erstling, mit dem es begann hartmutesk in der Leserwelt zu werden. In dem fälschlicherweise als Roman betitelten „Hartmut und ich“ bestreiten der Erzähler und sein Freund das gemeinsame Leben in einer WG nach ihrem Schulabschluss. Eine Zeit, in der junge Erwachsene das erstemal wahre Freiheit in den eigenen vier Wänden verspüren, die sie gebührend nutzen mit einem Spaß-Langeweile-Mix, womit natürlich eine Verschmutzung des Haushaltes einhergeht.

Die Epiosoden aus dem gemeinsamen Leben und den gemeinsamen Erlebnissen der zwei Männer werden dabei äußerst komisch, ironisch und an manchen Stellen durchaus satirisch dargestellt und dabei treffen die kleinen Anekdoten den Nagel auf den Kopf. „Hartmut und ich“ ist ein feines literarisches Werkchen voll mit Alltagsbeobachtungen, mit denen man den Alltag davonlacht.

Tilman Spengler „Wenn Männer sich verheben: Eine Leidensgeschichte in 24 Wirbeln“
Männer, ihr müsst es zugeben: Ihr seid wahnsinnig wehleidig, wenn ihr krank seid oder Schmerzen habt. Ich rufe mir in solchen Situationen immer die Aussage in Erinnerung, dass die Menschheit ausgestorben wäre, wenn Männer die Geburt der Nachkommen obläge. Und wenn man dem Buch von Spengler Glauben schenken mag, wäre dies tatsächlich der Fall. Denn bei Spengler unterwirft sich der Mann dem Schmerz, der sein neuer Herr ist. Na gut, das klingt etwas überdramatisiert. Spengler hangelt sich Wirbel an Wirbel gleichsam wie Stationen von einem Leid zum nächsten. Der Mann vorher groß und stark wie ein Riese schrumpft mit jedem Schmerzensstich um einen Zentimeter und damit schrumpft auch sein gesamtes Selbstverständnis- und bildnis. Eine lustige, manchmal jedoch zu überzogende und abdriftende Schilderung, was Schmerzen aus Männern machen: vom Mann zur Maus.

Last modified on Mittwoch, den 17. November 2010 um 09:52 Uhr

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