Montag, den 16. August 2010 um 12:48 Uhr

Mit "Schuld" von Ferdinand von Schirach in die menschlichen Abgründe blicken

Written by  Juliane
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Das wohl bekannteste Buch über Schuld und ihre Sühne schrieb Dostojewski. Wir wollen und können natürlich nicht den Erzählband „Schuld“ von Ferdinand von Schirach in die qualitativ-gleichwertige Schublade stecken, aber in eine der oberen allemal.

Erst im August 2009 überrollte uns von Schirach mit seinem Erzählband „Verbrechen“. Dass „Schuld“ in eine ähnliche Richtung schlägt, ist dem Hauptberuf des Autors zu verdanken. Eigentlich ist dieser nämlich Strafverteidiger und lässt mit seinen Büchern uns Teil seines Alltags werden.

Die Geschichten sind ein Spiegel der Abgründe der menschlichen Existenz. Der Atem stockt dem Leser, weil es sich eben um wahre Fälle aus von Schirachs Kanzlei handelt. Trotz der Nähe zu den Fällen bleibt der Autor kühl, knapp und konkret. Aber dennoch steckt in jeder Geschichte Mitgefühl. Diese Mischung mach(t)en sowohl den ersten Erzählband als auch den neuen aus.

Wobei „Schuld“ noch einen Spur härter ist, denn optionales Handeln der Protagonisten scheint ausgeschlossen zu sein. Im neuen knapp 200 Seiten starken Erzählband beschäftigt von Schirach sich auch mit der Frage nach Schuld beziehungsweise Unschuld. Eng damit verknüpft ist natürlich die moralische Verantwortung eines jeden Einzelnen. So die neun Männer einer Blaskapelle, die das Leben eines Mädchens zerstören und straffrei ausgehen.

Die Geschichten sind kurz, sodass sie rein theoretisch in einem weggelesen werden könnten, wenn da nicht die Gänsehaut wäre, die sich erst einmal legen müsste. Denn trotz der literarischen Verfremdung bleibt es Realität, die dem Leser vor Augen gehalten wird, vor der eigentlich selbige schließt.

Last modified on Mittwoch, den 17. November 2010 um 09:51 Uhr

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